Der Herbstblues in der Trauer
Der Sommer ist vorbei. Und mit ihm die langen Tage, die Sonnenstrahlen, die Zeit draussen. Über die Sommermonate ist die Stimmung aufgeweckter, es läuft mehr, das Leben findet oft draussen statt.
Während die letzten Monate des Jahres begonnen haben, die Blätter sich verfärben und es draussen immer ungemütlicher wird, kann sich das auch auf unsere Stimmung auswirken. Es wird früher dunkel, wir treffen draussen nicht mehr so viele Menschen an.

Die einen geniessen diese gemütlichen und ruhigeren Stunden zu Hause, während für andere, die noch um einen Verlust trauern, die Situation noch schmerzhafter wird. Das kann zu Melancholie und einer noch tieferen Traurigkeit führen.
Alles nur Einstellungssache? Nein – absolut nicht. Dass die Stimmung im Herbst oft getrübter ist, hat auch ganz biologische Gründe. Weniger Tageslicht senkt nachweislich unseren Serotoninspiegel – das Hormon, das für gute Stimmung sorgt. Gleichzeitig schüttet der Körper mehr Melatonin aus, was uns müde und antriebslos macht. Wenn dieser körperliche «Rückzug» auf eine ohnehin schon wunde Seele trifft, bricht die Trauer oft mit neuer Wucht auf. Es ist, als ob unser Inneres genau das spiegelt, was draussen passiert.
Die Symbolik des Herbstes
Und genau hier fliesst die Biologie mit der tieferen Symbolik dieser Jahreszeit zusammen. Der Herbst zeigt uns das Loslassen in seiner reinsten Form. Die Natur zieht sich zurück, das Leben verblüht und die Bäume trennen sich von ihren Blättern. Wenn wir um einen geliebten Hund trauern, kann sich diese Vergänglichkeit im Aussen wie ein Verstärker für unseren inneren Schmerz anfühlen. Jeder graue Nebelmorgen spiegelt das wider, was wir schmerzlich vermissen; die Lebendigkeit und die unbeschwerte Zeit mit unserem Vierbeiner.
Das Zuhause, das ohne die Fellnase ohnehin schon zu ruhig ist, fühlt sich durch die langen Abende noch einsamer an.
Was dir jetzt in dieser schweren Zeit helfen kann:
Trotzdem rausgehen – für dich. Auch wenn die Motivation ohne Hund schwerfällt: Geh gerade jetzt an die frische Luft. Das wenige Tageslicht tut deinem Hormonhaushalt gut. Versuche, die Spaziergänge als bewusste Zeit für dich und deine Trauer zu sehen.
Die Leere füllen. Die dunklen Abende verleiten zum Grübeln. Schaffe dir bewusst Kuschelabende mit Decken und warmem Tee. Erlaube dir, Fotos anzuschauen und zu weinen, aber versuche auch, dir mit einem guten Buch, einem warmen Bad oder einer Netflix-Serie eine kleine Pause vom Schmerz zu gönnen. Finde heraus, was dir guttut, und wie du dir die Zeit möglichst gemütlich machen kannst.
Gleichgesinnte suchen. Du bist mit diesem «Herbstblues» nicht allein. Tausche dich in Foren, Trauergruppen oder mit Freunden aus, die den Verlust eines Tieres verstehen. Manchmal hilft es schon zu wissen, dass andere gerade genau dieselbe Stille spüren. Oder verabrede dich mit einer lieben Freundin zum Kaffee, die versteht, dass es dir momentan schwerer fällt.
Setz dich nicht unter Druck. Es ist völlig normal, dass du in den Herbst- und Wintermonaten öfters traurig bist. Versuche, deine Gefühle nicht wegzumachen. Lass sie zu, mit dem Wissen, dass diese Zeit vorbeigehen wird.
Der Herbst fordert uns auf, innezuhalten. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, und sei besonders sanft zu dir selbst. Die Trauer verändert sich – genau wie die Jahreszeiten.




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