Mein Hund ist gestorben – muss ich loslassen?
- gburri
- 20. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
Je mehr wir uns gegen etwas stemmen, desto schwerer scheint es zu werden. Je mehr Druck wir uns (selbst) machen, desto weniger gelingt es uns. Je mehr wir uns etwas verbieten, desto eher machen wir es trotzdem – oder erst recht. Ganz egal wie wir es definieren: Wir kennen dieses Phänomen wahrscheinlich alle.

Das gilt auch beim Trauern um einen verstorbenen Hund. Immer wieder wird uns von Fachliteratur oder aus dem Freundeskreis empfohlen: «du musst loslassen». Aber wie können wir etwas loslassen, das uns so tief am Herzen liegt? Müssen wir wirklich loslassen?
Was bedeutet überhaupt «Loslassen»?
Loslassen wird einerseits als das «Allheilmittel schlechthin» dargestellt, andererseits fürchten wir uns wohl alle am meisten davor. Es ist das unbekannte grosse, mysteriöse irgendwas, das man nicht genau einordnen kann, nicht genau weiss, ob es nun gut oder schlecht ist.
Das Ungute Gefühl dabei gibt uns oft die Vorstellung davon, dass loslassen «vergessen» heisst. Vielleicht auch aufgeben.
Doch was ist, wenn wir die Sichtweise auf das Loslassen ändern; was, wenn Loslassen einfach nur bedeutet, diesen inneren Widerstand aufzugeben? Nichts vergessen, nichts verdrängen. Sondern bewusst Trauer durchleben, alle Gefühle zu fühlen ohne sich darin zu verlieren, und so für inneren Frieden sorgen. Langsam zu heilen.
Mein verstorbener Hund Dennis ist seit mehr als 1,5 Jahren nicht mehr bei mir. Er hat einen festen Platz in meinem Herzen eingenommen, wie eine kleine Schatztruhe. Dieser eine Platz im Herzen, der gehört nur ihm. Ich denke noch täglich an ihn. Es gibt Momente, da vermisse ich ihn sehr. Aber meist sind die Erinnerungen an ihn nicht voller Traurigkeit, sondern voller Dankbarkeit. Ich glaube, genau darin liegt der Unterschied und vielleicht auch die Definition von «loslassen». Wir dürfen Momente, Erinnerungen oder Lebewesen weiterhin in unseren Herzen tragen, vielleicht sogar Kraft für andere schwere Situationen daraus nehmen, und trotzdem glücklich sein. Trotzdem Lachen. Trotzdem das Leben als lebenswert erachten.
Das bedeutet für mich persönlich loslassen. Nicht das Lebewesen oder die Erinnerungen loslassen. Sondern diese Schwere, diese Traurigkeit langsam loslassen – langsam heilen.
Ja, loslassen kann sich manchmal anfühlen wie Verrat: Darf ich wieder lachen? Darf ich einen neuen Hund in mein Leben lassen? Doch Loslassen ist kein Schlussstrich. Es ist ein Weitergehen – mit allem, was war. Mit der Wehmut, mit der Dankbarkeit und mit dem Mut, sich dem Leben wieder zuzuwenden. Es ist auch ein Akt der Selbstfürsorge.
Das Ganze ist ein Prozess. Das geht nicht von heute auf Morgen. Wir machen zwei Schritte nach vorn, einer zurück. Wir dürfen uns die Zeit lassen, die wir dafür brauchen.
Wenn Loslassen schon früher beginnt
Oft beginnt das Loslassen bereits lange vor dem Abschied – z. B. wenn ein Hund alt oder krank ist. Es ist ein leiser, schleichender Weg: eine Mischung zwischen Hoffen, Annehmen und leiser Trauer. Wir beginnen uns unbewusst vorzubereiten, ohne zu wissen, wie dieser Moment sich wirklich anfühlen wird.
Nach dem Tod heisst Loslassen dann, dem Schmerz Raum zu geben. Die Erinnerungen werden nicht zu einem Fluchtort, sondern zu einer liebevollen Brücke, die uns verbindet – mit dem, was war, und mit dem, was bleibt.
Raum für das Unbekannte
Loslassen heisst auch, nicht festzuhalten an einem Ausgang, den wir uns erträumt oder anders gewünscht haben. Es bedeutet, offen zu bleiben für das, was kommt, selbst wenn wir es noch nicht benennen können. Oft entsteht irgendwann, meist unverhofft, Platz für etwas Neues, für kleine Lichtblicke, für zaghaftes Lachen. Für Heilung.




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